26.11.2008 07:18 von Britta Madeleine Woitschig
Die 1974 in Lemgo geborene Jule K. hat ihre Comics zunächst im Selbstverlag veröffentlicht. Von 1998 bis 2001 trat sie als Bassistin der Band Parole Trixi auf. Das lesbische Publikum könnte in den Zeitschriften XX, Anne et Belle oder L-Mag über ihre naiv anmutenden Illustrationen gestolpert sein. Zu einer festen Größe ist sie seit 2003 durch ihre Preisskulpturen für die Lesbisch Schwulen Filmtage Hamburg geworden. Bei dem renommierten Kleinverlag Edition 52 haben ihre neuen Comics inzwischen einen sicheren Hafen gefunden. Dort erscheint auch ihr aktueller Band: „Fernanda’s fabulous life“.
Die brünette, kurvenreiche Fernanda mit den grünen Rehaugen ist eine junge Künstlerin, die malt und Musik macht. Davon leben kann sie nicht, und bevor sie sich versehen kann, findet sie sich durch ein Stipendium im kackspießigen Grasfeld wieder. Dort gründet sie mit ihrer neuen Freundin Lin eine Band, bei deren erstem Gig sie den Musikjournalisten Mickey kennenlernt. Zwischen Fernanda und Mickey funkt es …
Oberflächlich betrachtet handelt es sich natürlich um eine heterosexuelle Liebesgeschichte, die einigen Leser_innen nicht lesbisch genug sein könnte. Aber Jule K. queert ihre Chronik mit deutlich erotischen Parallelbeziehungen zu ihren Freundinnen. Außerdem wird Mickey wegen seiner Ballettausbildung von den Spießern gehänselt und Fernanda als Transvestit diffamiert. Der Band endet mit zahllosen offenen Fäden, weshalb ich mit weiteren Episoden aus der fabelhaften Welt der Fernanda rechne – das lesbische Potential ist jedenfalls immens.
Ein fabelhafter Comic: Mehr queer als lesbisch.
Britta Madeleine Woitschig
Jule K.: Fernanda’s fabulous life,
1. Auflage 2008,
Edition 52, 64 Seiten