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Drag-King-Träume

19.12.2008 07:20

Drag-King-Träume

Wenn ich eine öffentliche Toilette benutzen will, habe ich Bedenken bezüglich der Sauberkeit, ich weiß aber wenigstens, hinter welcher der Türen ich mir Erleichterung verschaffen darf - eine Selbstverständlichkeit, von der Drags, Crossdresser, Transmänner und -frauen nur träumen können. Und wenn es „wenigstens nur das“ wäre...

Max und ihre Wahlfamilie erleben tagtäglich, wie sehr im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ das Recht, einfach Mensch sein zu dürfen, beschränkt und negiert wird, wenn man oder frau aus dem Mainstream herausfällt, einer ethnischen, religiösen oder sexuellen Minderheit angehört. Sie sind „zu queer“, um einen Job außerhalb der Szene-Nachtclubs zu finden, und auch sonst scheint es im ganzen großen New York keinen Platz für sie zu geben.

Ob auf der Straße, in der U-Bahn, im Café, im Krankenhaus oder bei einer Demonstration: überall sind sie abwertenden Blicken, Beschimpfungen, Anfeindungen ausgesetzt, nie vor tätlichen Angriffen sicher. Auch die Angst vor polizeilichen Schikanen und willkürlichen Verhaftungen gehört zu ihren ständigen Begleitern.

Ihr gemeinsames Anderssein schweißt sie zusammen; die Gefahr von Bruchstellen an den Schweißnähten ist allerdings auch hier gegeben... Und auch eine noch so große Solidarität untereinander kann nicht verhindern, dass Ruby in einer Klinik eine entwürdigende Behandlung erdulden muss, dass Vickie brutal ermordet wird...

Leslie Feinbergs neuer Roman „Drag King Träume“ macht deutlich, wie leicht Menschen zu Außenseitern erklärt werden, wie schwer es ihnen gemacht wird, an der Verwirklichung ihrer Träume zu arbeiten, Grenzen niederzureißen, die es eigentlich nicht geben dürfte. Staat und Gesellschaft werden ins Kreuzverhör genommen, für die zu Unrecht Angeklagten wird ein einfühlsames und zugleich flammendes Plädoyer gehalten.

Ein Buch, das auch nach dem Lesen so schnell nicht wieder loslässt!

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